Am Vorabend zum 8. Mai 1945: Die „Befreiung“, eine Lebenslüge der Deutschen

Erster Teil

Die Chance, dass Deutschland als Genius, ein neues Europa maßgeblich mit zu inspirieren vermöchte, ist vertan. Deutschland ist zurückgefallen in eine Art mittelalterlicher Verblödung und damit verbunden in einen inquisitorisch-fiesen Säuberungswahn an allem und vor allem an sich selbst. Das Deutsch-sein ist zur Erbsünde geworden, einer Erbsünde, die es vor aller Welt winselnd zu büssen gilt. Ein neuer Nationalismus, der „Unterheblichkeit“ schlechter zu sein, als alle Wel, hat das Wurzelwerk der deutschen Geschichte bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und der Boden ist bereitet für eine völlige Aufgabe aller, durch Geschichte und Kultur, erwachsenen Rechte und Verbindlichkeiten.

Ganz in diesem Sinne wird derzeit unter dem kollaborierenden Schweigen der bügerlichen Mitte, das Prinzip von Nation, Staat und Staatsvolk, entgegen dem Selbstvertändnis der übrigen Welt, in die rot-grüne Tonne getreten. Anstelle dessen wird eine indifferente Struktur beschworen, die sich als jedermanns Organsation versteht und die es vorzieht, ihr Defizit an Nachwuchs eher aus aller Welt zu rekrutieren, als das eigene Eheweib zu bemühen. Wie soll das auch gehen, wenn alle Kraft abgesogen und das Land bis auf die blanken Knochen geschröpft wird. Schlimmer noch, die deutsche geheime Verfassungsschutzpolizei bekämpft, verkommen zur Gesinnungsschnüfflerin der Ideologen, jede patriotische Regung.

„Antifa“

Pubertierende Wirrköpfe von Fanatismus mit unendlicher Dummheit und Ignoranz gesegnet, geben auf Demos unartikulierte Schüttelreime von sich und wenn man sie fotografieren oder filmen will, dann verstecken sie ihre Gesichter verschämt hinter ihren Spruchbändern. Ganz so, als ob sich ihre Gene unterbewußt schämen würden, an einem derartigen Mummenschanz beteilig zu sein.

„Antifa“ in Dresden

Stellt man diesen propagandistisch vernebelten Irrläufern eine konkrete Frage, so sind sie letztlich unfähig, auch nur einen einzigen eigenständigen und zusammenhängenden Satz zu formulieren. Das Ganze erinnert an die ritualhaften Springprozessionen des Mittelalters und an das Königreich der Wiedertäufer zu Münster, einer Zeit, in der jeglicher Verstand aus dem Ruder lief und niedergebrüllt wurde.

Der Genius der Aufklärung ist entmachtet und wie es Hyronimus Bosch nicht besser hätte malen können, springt uns aus dem Dunst von Verkommenheit und blindem Fanatismus, die hässliche Fratze der totalen Orientierungslosigkeit an.

Antifa

Man sollte eigentlich meinen, dass gerade die Deutschen immun geworden wären, gegen absurde Theorien und gegen Indoktrination. Sie waren doch nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Kriege, wie Phönix aus der Asche aufgestiegen, französischem Genius und Englands weltumspannendem Rationalismus folgend, erheblich an der Aufklärung beteiligt. Doch 12 Jahre Nationalsozialisus, ein gebrochenes Rückrat durch einen totalen Zweiten Weltkrieg und eine nicht minder totale und bedingungslose Unterwerfung hatten gereicht, um aus den Deutschen einmal mehr willenlose und desinformierte Vasallen zu machen.

Antifa

Die Deutschen hatten reichlich spät in der Geschichte gelernt, autonom zu denken und zu handeln und als sich die meisten Staaten Europas längst als homogene Gemeinwesen etabliert hatten, spielten die Deutschen immer noch den nützlichen Idioten der römischen Kurie. Sie waren weitgehend ungebildet und unbeholfen, frönten dem Alkoholismus, waren streitsüchtig und äfften kritiklos alles Fremde nach, bis zur Lächerlichkeit. „Wir wohnen in Teutschlandt und kennen seine Bequemlichkeit nit, die der anderen kennen wir und daheim bei uns selbst seind wir, wie Fremdlinge„. So ein Sprichwort aus dem Mittelalter im Niedergang.

Immer wieder streben die Deutschen auseinander. Der Grund: Fehlender Glaube an sich selbst und daraus resultierend eine tief sitzende Unsicherheit. „Teutschlandt ist wie ein schöner weidlicher Hengst, der Futter und alles genug hat, es fehlt ihm nur an einem guten Reiter.“ Dieses sebstkritische Sprichwort aus dem 15. Jahrhundert bringt das Problem auf den Punkt.

Die Deutschen fühlten sich wie verlassene Kinder, weil ihnen zu einem gewissen Zeitpunkt ihr Bezugspartner, der Deutsche König quasi abhanden kam, denn der wollte partout vom Papst zum Kaiser des Römischen Reiches gesalbt werden.

Die Aufgaben des Kaisers als Hüter der Christenheit, die ein starkes Engagement in Norditalien bzw. im päpstlichen Rom forderten, gerieten zum Nachteil für die Festigung der deutschen Identität. Auf der anderen Seite erwuchs den Fürsten Machtzuwachs, da in Deutschland das Wahlkönigtum herrschte, ohne feste Hauptstadt, ohne Mittelpukt. Und da, wo er hätte sein sollen, war er kaum, der Kaiser. Und wenn er dann doch da war, sorgte er sich um seine Pfründe und seinen Clan. So hatte die Nation der Deutschen einen instabilen Bezugspartner, der sich seinem Volke nur unzureichend widmete. Es entstand eine diffuse Reichssehnsucht, die etwa der jüdischen Sehnsuchtsformel ähnelte, die da lautete: „Morgen in Jerusalem“.

„Eines Tages tritt er Heraus aus dem Begr und das Reich wird wieder erstehen“ So die Sage
(Bild DPA()

Kurzum, die Deutschen waren existentiell überfordert, sie hatten nur einen Mythos, eine vage Reichssehnsucht, im Gegensatzt zur Judenheit, die sich auf die sinnstiftende Thora stützen konnten und damit für dem permanenten Marsch durch das Rote Meer bestens gerüstet war.

Die Reichssehnsucht als Mythos der Deutschen manifestierte sich aus der Kyffhäusersage, nach der Kaiser Barbarossa irgendwann in seinem Berg, dem Kyffhäuser, erwachen und heraustreten werde, um das Reich der Deutschen endgültig zu einen.

Tatsächlich waren die Deutschen die längste Zeit in ihrer Geschichte ein führungsloses Staatsvolk, eingebunden in Fürstentümer und sehr oft vertreten von schwachen Kaisern. Zunehmend zersplittert und politisch gegeneinander ausgespielt, aber unbeschadet dessen, waren sie ungebrochen davon überzeugt und voll Hoffnung, dass doch eines Tages Kaiser Barbarossa heraustreten werde, aus dem Kyffhäuser und das alte Reich wiedererstehen lassen werde, freilich ohne die nie akzeptierte Rolle eines Römischen Reiches von päpstlichen Gnaden. Erst die Reformation, der Humanismus und die Emanzipation des Reichstages unter dem aufmüpfigen Erzkanzler, Kurfürst Bertram von Mainz, und dem, nach heutigem Verständnis „modernen“ Regierungsstil Kaiser Maximilians, der sich ersmals selbst den Titel „Erwählter Römischer Kaiser“ gab, führte die „tumben Teutschen“ in die Neuzeit. Und so begann ab Mitte des 15. Jahrhunderts und vor allem mit Beginn des 16. Jahrhunderts eine gewaltige Aufholjagd der Deutschen in der geistigen und politischen Bewusstseinsbildung und in der Entwicklung der Geisteswissenschaften. Nicht zuletzt inspiriert durch die Entwicklung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, zu Mainz. In diesem Klima wurde nicht zuletzt auch die Figur „Till Eulenspiegel“ geboren, dem Narren, der den Mächtigen den Spiegel vor Augen hält. Der übrigens auch die Figur des Rattenfängers von Hameln verkörperte. Eine Figur, die durch Adolf Hitler und Josef Stalin in der Moderne neue und fürchterliche Dimensionen gewann.

Eine der bezeichnensten Schriften dieser Zeit des Aufbruchs ist das Werk „Germania“ Von Sebastian Franck. Sebastian Franck von Wörd, geboren 1499 in Donauwörth, 1542 in Basel gestorben, war ein deutscher Theologe, Schriftsteller, Publizist, Geograph, Philosoph, Übersetzer und Buchdrucker, der in Ulm und in Straßburg wirkte.

„Germania“ (Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

Frank skizziert die Deutschen geradezu erbarmungslos, wenn er schreibt: „Wer die Teutschen betrachtet, findet, dass diese wenig Sinn für Humor haben, dazu neigen alles genau zu untersuchen und zu hinterfragen. Sie zeigen eine äffische Art, alles unbedingt richtig machen zu müssen. Sie kritisieren alles, was sie nicht kennen und es gefällt ihnen nicht einmal ihre eigene Nase. Von sich selbst wissen sie wenig aber sie  durchwandern alle Länder, bis hin zu den äußersten Inseln in der neuen Welt.  (…) Es geht dergestalt mit den Teutschen zu, dass sie immerzu wähnen, die Kühe der anderen hätten viel größere Euter als die eigenen und auf dem Acker des Nachbarn wüchse das Getreide höher, als auf dem eigenen. (…) Mehr noch, sie bewundern kritiklos fremde Sitten:  Kleider Sprache und Gebärden. So ist es Teutsch, blonde Haare schwarz färben zu lassen und nach  französischer, spaniolischer oder welscher Mode kunstvoll zu frisieren. Man sieht auch seltsam geschorene Köpfe und hört eine unverständliche  Sprache. Sie „ongern“ (nuscheln) derart, so als könnten sie nicht einmal sprechen. Alles in allem wirken sie, wie bunte Affen in fremdartigen Kleidern.(…) Die Teutschen sind kein Volk, das  bei seiner eigen Sprache und Kleidung bleibt. Korpulent, wie sie meist sind, erkennt man sie am Saufen und am Streiten. Ein Ungar Böhm, Franzos, Walscher und Spanier kennt man bei seiner Sprach und Kleidung aber einen Teutschen bei seiner Torheit und Sorglosigkeit. (…) Die. Teutschen, ein Volk, das allen Ländern will nach dem Ton reden.(…) Nicht von ungefähr haben uns die Römer Barbaren genennt und damit nicht unrecht getan. Es gibt kaum ein vernünftig höflich Wort. Also geb Gott, dass sie durch dieses, mein Raspeln aufgewecket werden und dass ín Teutschland ein bessere Melodei und Symphonei möchte geschlagen werden“.

Der 8 Mai „Die Befreiung“ – eine Lebenslüge der Deutschen

Dresden 1945 (Bild Wikimedia)

Warum lassen sich die Deutschen, was ihr Selbstverständnis betrifft, eigentlich jeden Unsinn aufschwätzen und warum halten sie die politischen Thesen ihrer ehemaligen Kriegsgegner geradezu für Gottes Offenbarung, während sie jene Landsleute feindselig verfolgen, die es nicht akzeptieren wollen, dass ihr Land zugrunde gerichtet wird?

Dreimal hat die  deutsche Nation in ihrer Geschichte einen Totalcrash erlitten und da aller guten Dinge Drei sind, kam nach dem DreißigJährigen  Krieg, 1648, dem Ersten Weltkrig 1918, schließlich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 8. Mai 1945, wohl das endgültige Aus.

Keine Frage, Deutschland ist geistig, sittlich und charakterlich so sehr verkrüppelt, dass eine Therapie kaum noch möglich scheint, denn, was wissen die Deutschen eigentlich noch über sich selbst? Nichts.

Mit der konsequent verordneten und beflissen akzeptierten Geschichtslosigkeit, wie sie in Deutschland praktiziert wird, sind natürlich bestimmte politische Pläne aufgegangen, die derart verinnerlicht sind, dass dagegen nicht einmal Indifferenz hilft. Der herrschende Zeitgeist reduziert den Facettenreichtum der deutschen Geschichte auf die kollektive Autosuggestion:“ Wir müssen aus der Geschichte lernen, so dass sich dies oder jenes in deutschem Namen Geschehene, niemals wiederholen möge.“

Natürlich  ist in diesem Postulat Denkzwang verborgen, der jede weiterführende Geschichtsbetrachtung ins Negative münden lassen muss. Dem Adressaten dieses Postulates soll ja vor sich selbst ekeln. Ganz aus sich selbst heraus soll er seine Nationalität leugnen, um dann in irgendeinem Konstrukt aufzugehen, das alles mögliche sein darf, nur nicht deutsch und auch Nachwuchs zu generieren, erfüllt die Deutschen, wie schon erwähnt, mit einiger Unlust.

Damit ist evident, es fehlt das autonome Denken und die Souveränität, um geistige Repression zu überwinden und auch wohl der Mut. Damit entfällt die Grundvoraussetzung für eine Geschichtsbetrachtung der Selbstachtung und damit einhergehend erübrigt sich die eigenständige Gestaltung von Gegenwart und Zukunft in wohlverstandenem eigenen Interesse..

Was man einst mit Kriegen zu erreichen suchte, nämlich den Nachbarn klein zu halten, das bewerkstelligten, was Deutschland betrifft, die Deutschen selbst mit einer anerzogenen Einschüchterungspropaganda, verbreitet von herangezüchteten Vasallen und Satrapen der ehemaligen Siegermächte. Klar, dass diese “Geschichte“ von den Siegern geschrieben wurde, um den Machtfaktor „Deutschland“ zu neutralisieren. Doch während das Urteil über die Deutschen bei den ehemaligen Siegermächten längst an Schärfe verloren hat – denn die sind durch Landnahme und Kontribution einstweilen gesättigt- beissen die Deutschen sich untereinander wie herrenlose Hunde im Hinterhof der Geschichte.

In den Artikeln des Westfälischen Friedensvertrages von 1648 kann man gut nachlesen, wie konkurrierende Großmächte das prosperierende Reich als Störfaktor filettierten und sich durch Landnahme gütlich taten.

Der französische Botschafter bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden,  Graf d´Avauxan, schrieb  am 14, Februar 1645 bezüglich deutscher Positionen zu den Verhandlungen an den französischen Kanzler Mazarin; „Die Deutschen sind viel inniger durchdrungen von der Liebe zum Vaterlande, wie die italienischen Fürsten. Sie empfinden es als unerträgliche Pein, dass Fremdlinge das Reich zerstückeln“. Es gibt kaum einen besseren Beleg für diese Aussage, als die folgende erschütternde Denkschrift des Kurfürsten von Brandenburg an den schwedischen König und die deutschen Reichsfürsten, den Kaiser eingeschlossen.

Erste Seite einer Denkschrift des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, genannt der Große Kurfürst,
an den schwedischen König Karl X Gustav von Schweden, 1658, Bild Preuss. Kulturbesitz

Ehrlicher Teutscher! Dein edles Vaterland war leider bei den letzten Kriegen unter dem Vorwand der Religion und Freiheit gar jämmerlich zugerichtet und an Mark und Bein dermaßen ausgesogen, dass von einem so herrlichen Körper schier nichts verblieben ist, als das blosse Skelett. Wem noch einiges deutsches Blut um sein Herz warm ist, muss darüber weinen und seufzen. Wem sein Vaterland lieb ist, muss die unglücklichen Zeiten beklagen. Wir haben unser Gut, wir haben unser Blut, wir haben unsere Ehre und Namen dahingegeben und nichts damit ausgerichtet, als dass wir uns schier als Dienstknechte fremder Nationen hervorgetan haben. Unser Ansehen haben wir fast verloren und jene die man vorher kaum kannte, haben wir damit groß gemacht. Was sind Rhein, Weser, Elbe und Oder nunmehr anderes, als fremder Nationen Gefangene. Was ist deine Freiheit und Religion mehr, als dass andere damit spielen. Insgesamt gesehen, verlor sich alles mit dem trefflichen Pommern und anderen ebenso stattlichen Ländern! Abschliessend heißt es: Gedenke ein jeder, der kein schwedisch Brot essen will, was er für die Ehre des deutschen Namens zu tun hat, um sich gegen sein eigen Blut und sein, vor allen Nationen berühmtes Vaterland, nicht zu versündigen. Gedenke, dass du ein Deutscher bist.#

Deutschland nach dem 30 Järigen Kriege
(Bild: Wikipedia)

Doch der Apell des Großen Kurfürsten verhallte.Am Hof zu Wien sprach man kaum noch Deutsch und die Fürsten des rheinischen Bundes packtelten, gemeinsam mit Frankreich, gegen den Kaiser

Bleibt nachzutragen, Frankreich hatte sich das Elsass, als eine der Signatarmächte, im Rahmen des Westfälischen Friedens von 1648 einverleibt und Schweden hatte sich Pommern genommen. Auf dem Territorium des Reiches waren als Folge der Friedensbedingungen von 1648 unzählige Kleinstaaten entstanden, die als autonome Staatsgebilde mit eigener Außenpolitik agierten. Kaiser und Reich waren damit nur noch marginal.

Napoleon wird zugeschrieben, er habe angeblich notiert,, wie sehr die Deutschen durch die aufgezwungene Vielstaaterei inzwischen verdorben seien. „Die Deutschen seien sich selbst die ärgsten Feinde,“  soll Napoleon geschrieben haben und „jede Lüge würden sie glauben, die Deutschen und sei sie noch so plump ersonnen“. Ob er das wirklich gesagt hat, sei dahingestellt. Als Real- und Machtpolitiker gab der Große Korse Deutschland und seiner Reichsidee den endgültigen Todesstoss. Er gründete den Rheinbund, löste 1806 das Reich auf und bot dem Haus Habsburg an, aus seinem Großherzogtum Österreich ein eigenes Kaiserreich zu schaffen. Damit war die Deutsche Sache für mehr, als ein halbes Jahrhundert, abgehakt. Gerademal 8 Jahre zuvor, in das Untergangsszenario hinein, klagte der Große Lyriker Friedrich Hölderlin in seinem Briefroman Hyperion: (1798)

Datei:FK Hiemer - Friedrich Hölderlin (Pastell 1792).jpg – Wikipedia
Friedrich Hölderlin * 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, Herzogtum Württemberg; † 7. Juni 1843 in Tübingen, Königreich Württember, Bild Wikipress)

So kam ich unter die Deutschen: Ich forderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. […] Es ist ein hartes Wort, und dennoch sag‘ ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrissner wäre, wie die Deutschen.

Handwerker siehst du, aber keine Menschen. Denker, aber keine Menschen. Priester, aber keine Menschen. Herrn und Knechte, Jungen und gesezte Leute, aber keine Menschen –

ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstükelt untereinander liegen, indessen das vergossne Lebensblut im Sande zerrinnt? […]

Es ist auf Erden alles unvollkommen, ist das alte Lied der Deutschen. Wenn doch einmal diesen Gottverlassnen einer sagte, daß bei ihnen nur so unvollkommen alles ist, weil sie nichts Reines unverdorben, nichts Heiliges unbetastet lassen mit den plumpen Händen,

daß bei ihnen nichts gedeiht, weil sie die Wurzel des Gedeihns, die göttliche Natur nicht achten, daß bei ihnen eigentlich das Leben schal und sorgenschwer und übervoll von kalter stummer Zwietracht ist,

weil sie den Genius verschmähn, der Kraft und Adel in ein menschlich Tun, und Heiterkeit ins Leiden und Lieb und Brüderschaft den Städten und den Häusern bringt..

Nachdenklich macht auch der Satz der französischen Schriftstellerin Germaine de Staël (22. April 1766 -14. Juli 1817)

Madame de Staël, Anne Louise Germaine de Staël-Holstein, born Anne ...
Germaine de Staël *22. April 1766 in Paris , † 14. Juli 1817 ebenda, Bild Wikipress

Wenn den Deutschen noch so großes Unrecht angetan wird, findet sich doch immer ein obskurer deutscher Professor, der so lange an der Objektivität herumbastelt, bis er bewiesen hat, dass die Deutschen Unrecht getan haben.“

Ohne hier eine historische Pointe erklären zu wollen, ist doch die deutsche Gegenwart auf die denkbar übelste Weise Beweis, für Hölderlins Klage und die Richtigkeit der Thesen wie sie Germaine de Staël einst formulierte.

Und immer wieder in der Geschichte scheiterte jeder Versuch die Verhältnisse zu ändern. Heutzutage scheitert jede Rückbesinnung auf alte deutsche Tugenden schon im Ansatz an der Kontrolle der Medien, die damals wie heute, die politischen Doktrin von alleiniger deutscher Schuld sozusagen an allem, als vorgeschaltete Tugendwächter, mit jedem verfügbaren Mittel, wie einen Gral bewachen.

Zeiten wie diese lassen die Deutschen zu ekelhaften Denunzianten werden, an sich selbst, an ihrer Kultur und ihrer Geschichte. Es ist wie bei einem regelmäßig geprügelte Hund. Der beisst auch jeden in die ausgestreckte Hand, auch in die dessen, der Gutes will. In diesem Sinne: Warten wir auf den 8. Mai. Der Tag, an dem die Deutschen sich von sich sebst befreiten. Von Ihrer Geschichte, ihrer Kultur und der Gelassenheit der eigenen Selbsvertändlichkeit.