Auf der Suche nach dem Wesen der Evolution

Gastkommentar zu Finis Germaniae von Frank Suoquin

Erst ein kühler und emotionsloser Blick, weit genug zurück auf die Evolution und ihre immer auch unschönen Folgen für einige, erlaubt die drei Artikel über „das Schicksal der Deutschen“ richtig einzuordnen. Dieser Blick erhellt, was Historiker nicht zu erfassen vermögen. Denn diese drei Artikel beschreiben zusammengenommen beispielhaft einen Vorgang, den man nicht anders als evolutionäre Verzweigung bezeichnen kann. Diese Verzweigung versuchen „Wesen“ mit weiterentwickelten mentalen Fähigkeiten zu ihren Gunsten zu steuern, ein Unterfangen das mit Gefühl begabte, oder sollte man besser sagen, mit Gefühl geschlagene Menschen nicht zu begreifen, geschweige denn sich vorzustellen vermögen, weil sie in dem Glauben gefangen sind sie seien ein integraler Teil der Krone der Schöpfung.

Aus der Sicht von Anthropologen und Evolutionsbiologen entsteht Evolution durch zufällige Veränderungen in jenem ererbten biologischen Informationsspeicher, den wir Gene nennen. Neue Arten etablieren sich jedoch immer erst dann, wenn ein Phänotyp die durch die Änderung seines Genotyps entstandenen Möglichkeiten zu umfassenderer Informationsverarbeitung nutzt und sich über jene Phänotypen erhebt, die ihr mentales Potential nicht ausschöpfen. Darwins „Auslese“ kann nur wirken, wenn den „weniger Fitten“ auf diese Weise entweder die Existenzgrundlage und damit ihre Möglichkeit zur Reproduktion genommen wird, oder wenn sie aus der neu entstehenden Gemeinschaft ausgeschlossen, unterworfen und dann „domestiziert“ werden. Was nützte einem Wesen dem Flügel wachsen, wenn es nicht den Mut aufbrächte sich damit in die Lüfte und damit über jene zu erheben, die das nicht wagen? Ebenso wichtig: dieses „Mutige Wesen“ darf nicht mit jenen zusammen Nachkommen zeugen, denen diese Eigenschaft fehlt. Der evolutionäre Vorteil dieser Mutation würde so schnell verwässert. Hier nur am Rande: Emotionale Diskriminierung innerhalb einer Spezies ist deshalb Grundvoraussetzung für „Höherentwicklung“ und das Entstehen neuer Arten.

Was also ist vor diesem Hintergrund evolutionär an Finis Germaniae?

Die in diesen Artikeln beschriebenen Vorgänge weisen darauf hin, dass auch zu unserer Zeit neue Arten entstehen, sich etablieren, und nicht nur in geradezu dramatischem Ausmaß Arten aussterben. Dieser Vorgang ist mitnichten auf Insekten, Pflanzen oder jene Tiere beschränkt, die auf roten Listen geführt werden.

Die Veränderung der Uratmosphäre die fast keinen Sauerstoff, dafür aber Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Methan enthielt, ist ein solches herausragendes Beispiel für die grundlegende Veränderung der Lebensbedingungen eines ganzen Planeten durch die sich auf ihm ausbreitenden Lebewesen. Cyanobakterien haben einst mit Hilfe des Sonnenlichtes ihre Körpersubstanz aufgebaut und freien Sauerstoff abgegeben, der vor etwa 2,4 Milliarden Jahren die Entwicklung von aeroben Lebewesen ermöglichte und die davor existierenden anaeroben Lebensformen in den Schlick der Tiefsee, in Sümpfe oder in den Verdauungstrakt von Tieren verbannte.

Hat sich eine neue Art, oder eine Gruppe solcher neuer Arten, erst einmal etabliert, die sich parasitär oder symbiotisch anderen gegenüber verhält, dann wird sichtbar, dass sie in sich zwar besondere Fähigkeiten ihrer unterschiedlichen „Vorläufer“ vereint. Entscheidend aber ist, dass sich ihre „Kultur“ grundlegend von der ihrer Vorläufer absetzen muss, um sich an die neuen „Biotope“ anpassen zu können zu deren Entstehung und Verbreitung sie quasi als Nebeneffekt beigetragen hat.

Weshalb sollte das anders sein, wenn Teile des homo sapiens innerhalb von wenigen Generationen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen mehr verändern als „der moderne Mensch“ in hunderttausenden Jahren zuvor. Die gigantische Vermehrung des Wissens seit der Aufklärung, dessen Umsetzung in eine technisch definierte Zivilisation und das damit erst ermöglichte explosive Wachstum des „biologischen Menschen“ haben nicht nur die physikalischen, chemischen und ökologischen Systeme des Planeten Erde verändert, sie haben die vom homo sapiens mental zu verarbeitende WELT grundlegend verändert und stellen eine Herausforderung dar, dem die große Mehrheit hilflos gegenüber steht, ja die sie noch nicht einmal wirklich in ihrer Dimension einzuschätzen vermag.

Diese NEUE WELT ist weder mit den Vorstellungen und Erfahrungen von Jägern und Sammlern, auch nicht mit jenen von Ackerbauern und Viehzüchtern zu erfassen. Die industriell errichtete, auf die Ausbeutung höchst ungleich verteilter Ressourcen gestützte und inzwischen global vernetzte Zivilisation übersteigt den Horizont von Handwerkern, die Schlösser und Kathedralen errichten konnten, selbst jener die Schiffe gebaut und gesteuert haben mit denen erstmals die Welt umsegelt wurde, erst recht den Horizont jener, die sich ein Bild vom Jenseits und vom idealen Menschen zu machen suchten.

Die Kulturen des ausgehenden Mittelalters und jene der frühen Neuzeit mit ihren darin verwurzelten Werten und gesellschaftlichen Organisationsformen sind obsolet geworden in einer Welt, in der Kernkräfte alle chemisch zu entfesselnden Kräfte um viele Zehnerpotenzen übertreffen. Ähnliches gilt für die Beurteilung und Kontrolle von all jenen Techniken, die teils über den Weltraum, teils über digitale elektrische Informationsverarbeitung und Informationsübertragung Milliarden Menschen und deren alltägliche Handlungen erfassen, analysieren und zu beeinflussen vermögen.

Der griechische Philosoph Heraklit hat schon vor zweieinhalbtausend Jahren erkannt: »Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien

Der zweite Weltkrieg, der erste Krieg überhaupt der auf Grund des technischen Fortschritts wirklich global geführt werden konnte, er hat eben jene NEUE WELT mit Kräften und Möglichkeiten hervorgebracht, die einige wenige „zu Göttern“ und den Rest des „homo sapiens“ zu Menschen degradiert, gleichgültig ob sie sich für frei oder für ausgebeutet, also für Sklaven halten, die andere alimentieren oder gar durch Einsatz ihres Lebens vermeinen diese schützen zu müssen.

Eben diese Entwicklung wird in den drei Artikeln über das „Schicksal der Deutschen“ sichtbar. Die „Sieger“, nicht jene Massen die ihr Leben im Feld oder „an der Heimatfront“ ließen, sondern jene wenigen neuen Götter im Heraklithschen Sinne, die die Fäden dieses WELT-Krieges, vor allem aber „im Frieden“ nach ihrem Sieg zogen, diese „höher Entwickelten“ neigen dazu ihre „Vorfahren“, von denen sie sich eines „höheren Zieles willen“ mental trennen, irgendwann zur „Natur“ zu rechnen. Sie behandeln sie ab dann kühl, rational und mit den Prinzipien der Ökonomie.

Erst nach Beendigung von Kampfhandlungen lassen sich Unterlegene wirklich „domestizieren“. Jede erfolgreiche neue Art hat die vor ihr existierende „Natur“ grundlegend verändert, ein Phänomen das immer jene beklagen, die dabei sind von der Evolution überholt zu werden. Die Methoden mit denen diese „Veränderung“ erfolgte sind stets die selben. „Natur“ schützen zu wollen läuft nicht nur auf den Kampf der „Krone der jeweiligen Schöpfung“ gegen sich selbst hinaus. Es charakterisiert das Entstehen neuer Arten und weist auf die Unterjochung, wenn nicht auf das Ende jener Spezies hin, die unfähig ist im evolutionären Wettlauf mitzuhalten, weil sie „ihre Natur“ schützen will.  Heraklith beschreibt nichts weniger als die Spaltung einer Art. Die weniger „Begabten“ bleiben zurück, gerade weil sie sich mit „ihrer“ Spezies und deren geheiligten Werten identifizieren, denn sie befürchten nichts weniger als zu jenen „Vorläufern“ degradiert zu werden, auf die der homo sapiens heute herab blickt, seien es Neanderthaler oder gar jene homininen, von denen sich der homo sapiens inzwischen einige in Zoos hält.

Tatsächlich stehen der Morgenthau Plan und dessen spätere Modifikationen über den Marshall Plan bis hin zur Gründung der „Europäischen Union“ für eine Strategie, die der „Schaffung“ von Fürstentümern, Königreichen und Imperien in der gesamten sprachlich überlieferten Geschichte immer zugrunde lag.

Dass Evolution vor allem auf der Entwicklung der Fähigkeit beruht, immer komplexere Zusammenhänge zu erfassen, sie zu verstehen und zum eigenen Vorteil zu nutzen, ist heute fast zu einer Art Denktabu geworden. Denn Evolution in diesem Sinn zu verstehen verletzt nicht nur die Selbstgewissheit, sich als im Wesen gleiche Kinder Gottes zu sehen. Es verdrängt die Tatsache, dass Evolution noch jede Spezies gespalten hat. Weniger verstörend wird das üblicherweise als Verzweigung des Baums des Lebensumschrieben.

Dass existentielle Konkurrenz und gegenseitige Vernichtung deshalb für den homo sapiens als Normalzustand begriffen werden müsste irritiert aber nicht nur. Es erklärt auch das Streben nach transzendenter Unterstützung, das Entstehen von Ahnenkulten, von Göttern – und auch den tiefen Wunsch zu erforschen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Denn nur so besteht eine Chance im evolutionären Wettstreit überhaupt zu bestehen. Welche Chance hätte der homo gegen den Säbelzahntiger oder andere Fressfeinde gehabt, wäre er nicht auf Strategien verfallen gegen die die physisch Mächtigeren kein Mittel fanden?

Wie sieht deshalb die Strategie jener aus, die komplexer zu denken vermögen und sich gezwungen sehen sich gegen die Mehrheit jener zu verteidigen, die Evolution mit allen Mitteln zu verhindern versuchen indem sie alle Menschen für gleich erklären. Was anderes steht denn hinter Emotionen, die mit Neid bezeichnet werden, sich aber hinter humanistischen Vorstellungen verbergen, wie sie etwa die Revolution der sans culottes, der Hosenlosen, verbreitet hat: Liberté, egalité, fraternité.

Wie können sich jene, die sich in evolutionärem Sinn weiterentwickelt haben gegen Kommunismus, Sozialismus, inzwischen gipfelnd in Humanismus verteidigen? Im Kern geht es um die Gewinnung und Verteidigung von Eigentum, sei es materieller oder geistiger Natur.  Wie jede erfolgreiche Strategie geht es dabei darum den Konkurrenten, erst recht den Gegner im Unklaren über die eigenen Ziele, vor allem über die benutzte Strategie der Domestizierung zu lassen.

Deshalb besteht eines des wirksamsten Elemente dieser evolutionären Auseinandersetzung darin „Freizügigkeit“ zu propagieren und sie emotional positiv zu begründen. Sie wird als Weltoffenheit und Toleranz eines idealisierten Individuums dargestellt, das sich der Herde der es zugeschrieben wird verpflichtet fühlen soll.

Von einigen Wenigen bewusst genutzt, löst das Postulat der Freiheit, verstanden als Freizügigkeit gerade jene Gruppen auf, die unterworfen wurden oder noch werden sollen. Sie gehen mit diesem Trick in einer behaupteten größeren „Gemeinschaft“ auf, deren Zustand sie nicht mehr überblicken und in der sie deshalb auch ihre eigenen Interessen nicht mehr zu vertreten vermögen. Entscheidende Elemente dieser integrativen Strategie mit dem Ziel der Domestizierung einer Menge ursprünglich sich selbst verantwortlicher und in diesem Sinne freier Wesen sind

  • die Einführung einer lingua franca,
  • eines in dieser Sprache deklarierten allgemeinen Friedens, also einer sich überall findenden Variation der klassischen pax romana,
  • die Etablierung übergeordneter juristischer Institutionen, die das Gewaltmonopol für sich beanspruchen und
  • ein „Wertekodex“ nachdem Recht gesprochen wird, der Offenbarungen entspringt die aus dem Jenseits stammen, also der Emotio, nicht der Ratio genügen.

Für die praktische Umsetzung einer solchen Strategie ist eine universale „Währung“ von zentraler Bedeutung, genauer ein System zur Einhebung von Tributen und Steuern, die nichts anderes als unsichtbare Zäune und Käfige sind, die die „Freiheit“ der Domestizierten nach Bedarf einzuschränken gestatten, gleichgültig ob es sich dabei um gesetzestreue Bürger, um Sklaven, um Nutztiere oder Nutzpflanzen handelt, deren Wert sich für die Schöpfer solcher Machtstrukturen nach der Höhe der abschöpfbaren Leistungen bemisst.

Der Begriff Währung täuscht in ähnlicher Weise wie Freizügigkeit einen Wert vor, der in der Realität nicht existiert.  Geld hat, anders als die ursprünglich zwischen Menschen getauschten Naturalien, keinen realen Wert. Naturalien wurden mit der produktiven Sesshaftigkeit, also der Agrikultur in Form „des Zehnten“ zur Ernährung einer gemeinsam getragenen Schutzmacht erhoben, um sich gegen marodierende Nomaden und Sammler zu schützen. Münzen, Papiergeld, erst recht digitales „Geld“ auf einem Konto vermögen aber niemand zu ernähren oder zu schützen. Geld in einem größeren Austauschsystem ist deshalb nicht mehr und nicht weniger als eine Forderung anonymen Schuldnern gegenüber, deren Bereitschaft und Fähigkeit zur Einlösung ihrer Verpflichtung in Form realer Leistungen kein Individuum mehr überprüfen kann.

Den Willen und die Fähigkeit Schulden zurückzuzahlen sollten ursprünglich private Geldverleiher prüfen, eine Funktion die diese in den Augen der Schuldner zu einer Art Inquisitoren werden ließ. Auch hier wurde von jenen, die die psychologischen Grundlagen großer Machtstrukturen entwarfen eine Lösung gefunden, um diese „Inquisition der Schuldner“ zu anonymisieren. Banken, nur scheinbar unabhängig davon „Ratingagenturen“ und Zentralbanken, sogar ein „Internationaler Währungsfonds“ und eine „Weltbank“ entstanden. In Summe handelt es sich dabei um ein komplexes System das vorgibt mit gesteuerter Inflation, also dosierter Entwertung von „Geld“ und der Schöpfung von leerem Geld, also von FIAT Money, jene existentiellen Prozesse kontrollieren und funktionsfähig erhalten zu können, die inzwischen 8 Milliarden Menschen mit allen lebenswichtigen Produkten und Dienstleistungen versorgen. Genau betrachtet ein kühner Plan zur Domestizierung „der Menschen als Ganzes“, die sich weiterhin als Teil einer globalen Familie begreifen sollen, eben als homo sapiens, mit dem Kalkül, die „starken Schultern“ zur Versorgung auch des letzten „Schwachen“ zu zwingen.

In dem dritten Teil der Aufarbeitung von Veränderungen und Brüchen, die das 20. Jahrhundert vermeintlich an das Ende der Geschichte geführt haben, wie Francis Fukuyama nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion meinte, wird in FINIS GERMANIAE ein besonders wichtiges strategisches Element angesprochen. Es geht weit über die „Versklavung“ von „Leistungsträgern“ hinaus in dem Versuch das erste wirkliche „Weltreich“ zu errichten: Die Schaffung und Kontrolle eines sich über den gesamten Globus erstreckenden Informationsraumes. Das ist ein Unterfangen das Fesseln, Ketten, Mauern und die Kontrolle geographischer Grenzen prinzipiell überflüssig macht.

Dieser Informationsraum kennt nämlich keine „Distanzen“ und deshalb auch keine Grenzen. Er trennt die natürlichen Sinne des Menschen von realen Objekten und Subjekten, mit denen dieser direkt in Interaktion treten müsste, um sie erfassen und darauf reagieren zu können. Der homo billionis sieht anstatt dessen „fern“ mittels einer Kamera, die von einem kleinen Team gesteuert wird und deren Aufnahmen Millionen Gehirnen simultan über Bildschirme und Displays vermittelt werden. Dieser so entstehende „gleichgeschaltete“ homo billionis läuft oder fährt in einem Navigationssystem nach Anweisung. Er biegt ab oder fährt geradeaus, ohne wirklich zu wissen wo er sich tatsächlich befindet. Welche Angebote und Nachrichten ihn erreichen hängt davon ab, wie sein Interessenprofil in sozialen Netzwerken, in Online-Shops und anhand seiner Bewegungsprofile abgeglichen wurden.

Im digital errichteten Informationsraum lösen sich, so seltsam das zunächst klingen mag, ähnlich wie in Schwarzen Löchern die bekannten „Naturgesetze“ auf, denn in ihm schrumpft die Zeit praktisch gegen Null, die Ursache und Wirkung überhaupt erst voneinander trennt. Praktisch ist alles mit allem plötzlich unmittelbar verbunden und kann deshalb von einem menschlichen Gehirn nicht mehr auf das Wesentliche reduziert werden. Dass sich damit die Beziehung des Individuums zu dessen realer und ganz spezifischer Umwelt auflöst ist eine Konsequenz von Digitalisierung und globaler elektronischer Vernetzung. Im Effekt transformiert dieser innerhalb der vergangenen 100 Jahre in immer größeren Schritten entstandene Informationsraum Individuen zu einer Herde, die sich leicht steuern lässt, weil die „Sinne“ der einzelnen Individuen die Realität nicht mehr wahrzunehmen vermögen, in der sie sich bewegen.

Dass wesentliche Bausteine für diese Art der kollektiven Steuerung und Beherrschung in Europa und ganz wesentlich in Deutschland entstanden sind lässt es nur logisch erscheinen, wenn die Sieger vor allem des Zweiten Weltkrieges sich jener „Eliten“ und deren Erfindungen und Techniken bemächtigen wollten, die den „National orientierten Sozialismus“ so stark und für seine Nachbarn so gefährlich gemacht haben.

Ob das Telefon, das Fernsehen, der erste programmierbare Computer, die Raketentechnik mit deren Hilfe inzwischen über Satelliten jeder Punkt der Erde überwacht werden kann und auch wird, selbst die Dyadik, die Leibniz schon Ende des 17. Jahrhunderts entwickelt hat, – sehr viele Komponenten die zur Entfaltung dieses inzwischen universalen Informationsraumes geführt haben entstanden in Germaniae, jenem geistigen Brutkasten in dem versucht wurde das untergegangenen Römische Reich mit Hilfe zivilisatorischer Fortschritte neu zu errichten.

Erze, Erdöl, Uran, Helium, seltene Erden und ähnliches werden, das wird geflissentlich übersehen, erst zu brauchbaren Ressourcen, wenn Naturgesetze erforscht und Techniken entwickelt werden, um sie für den Menschen nutzbar zu machen. Die dafür erforderlichen geistigen Ressourcen sind ihrer Natur nach aber proprietär. Sie lassen sich nicht handeln, denn sie sind an ihre wenigen Träger gebunden und können nur mühsam von diesen wiederum nur an wenige geeignete „Schüler“ weitergegeben werden. Es gibt also nur zwei Wege diesen entscheidenden Treibstoff für Wachstum und Expansion zu kontrollieren, die sehr klar von der Entwicklung von Handelsbeziehungen über Grenzen hinweg und damit zur Nutzung fremder Ressourcen zu unterscheiden sind.

Der erste Weg besteht in der Zerstörung jener Strukturen, die beim ernsthaften Konkurrenten um die Macht entwickelt wurden, um neues Wissen und neue Kenntnisse in neue Produkte und bessere Verfahren umzusetzen. Der zweite Weg läuft auf die „Umsiedlung“ von Erfindern, Entwicklern und Menschen mit Unternehmergeist hinaus, gleichgültig ob durch Zwang oder mit dem Mittel der Willkommenskultur. Letztere öffnet nicht nur Grenzen, sondern fordert weitgehende Toleranz gegenüber Glaubens- und Verhaltenspräferenzen jener Fachkräfte und Experten, die man zum eigenen Nutzen und zur Stärkung der eigenen Machtposition ins Land holen will.

Über Kreativität und Erfindungsreichtum verfügen aber eben nur sehr wenige Menschen. Deren Erkenntnisse und Konzepte führen immer und unweigerlich zu Instrumenten, mit denen die Massen nicht nur domestiziert werden. Um Massen nicht gegen ihre Führung aufbegehren zu lassen bedarf es der inneren Spaltung der Herde. Die soziale Idee ist dafür besonders geeignet denn sie entzweit jene, die Fortschritt und Machtzuwachs einer Gesellschaft ermöglichen und jene, die auf Teilhabe an den Früchten dieser Anstrengungen aus sind, ohne selbst nennenswert dazu beitragen zu können.

Offene Grenzen für „Kreative“ führen immer auch zur Zuwanderung von „Bedürftigkeit“. Sie zwingen dazu Sozialtransfers an jene einzuschränken, die eine bessere und attraktivere Welt erst geschaffen haben. Die Folgen eines deshalb notwendigen, immer weiteren Fortschritts treffen irgendwann die so genannte „eingesessene“ Mittelschicht, einmal durch die Konkurrenz von „Billiglöhnern“, zum anderen durch den damit verursachten raschen technologischen Wandel und den Verlust von „klassischen“ Arbeitsplätzen. Die Spaltung einer solchen Gesellschaft ist auf Dauer unvermeidlich. 

Im Kern geht es deshalb darum, die Kreativen und Produktiven mit dem Vorwand bei der Stange zu halten, sie dienten der Allgemeinheit mit ihren Erkenntnissen, auch wenn diese umgesetzt in immer stärkere und leistungsfähigere Techniken letztlich zu Instrumenten der Zerstörung werden, sei es im Wettbewerb um die Macht oder auch gegenüber „der Natur“. Das gilt vor allem über längere Zeiträume für alle Verfahren, die das unkontrollierte Wachstum von Bevölkerungen direkt oder indirekt überhaupt erst ermöglichen. Mit diesem Effekt kämpften schon die alten Ägypter, die schließlich zu dem Mittel griffen die Erstgeborenen der Hebräer zu töten. Ähnliches haben die Kolonialmächte erlebt, als sie immer weitere Teile ihrer Imperien „in die Freiheit“ entlassen mussten, weil deren Menschen als billige Arbeitskräfte oder als willige Soldaten eingesetzt, weniger Nutzen brachten als sie in dem verständlichen Bemühen „kosteten“ gleich behandelt zu werden. Noch jedes „Reich“ hat Wissenschaftler, Künstler, Entdecker und vor allem auch Visionäre gefördert, insbesondere jene, die aus unterlegenen Gesellschaften stammten, solange sie sich dem Dienste eines abstrakten größeren Zieles unterordneten. Dazu gehörten die Ideen dem einen Gott zu dienen oder inzwischen eben der Menschheit als Ganzes.

Eine solche Ausbreitung der Macht über Menschen und Natur führt letzten Endes zur Überbeanspruchung der tragenden Basis einer Gesellschaft und zwingt zu immer mehr „Forschung und Kreativität“, ein circulus vitiosus.

Blickt man auf das hier behandelte Beispiel der Behandlung des Kriegsgegners Deutschland durch Amerika und fragt nach dem Entstehen der Weltmacht USA im 20. Jahrhundert, dann gilt es festzuhalten:

Die USA haben sich nicht durch den Einsatz importierter „Arbeitskräfte“ aus Schwarzafrika oder durch „Gastarbeiter“ aus Mittel- und Südamerika zur Weltmacht entwickelt. Ab dem 19. Jahrhundert hat Amerika vielmehr jene Geister aus Europa angezogen, die in ihm das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sahen. Heute steht es vor dem Dilemma wegen des Rufes nach Gleichheit und Gerechtigkeit immer noch mehr Kreative und Unternehmer aus aller Welt anziehen zu müssen. Das wird im Silicon Valley besonders deutlich.

Die Falle in die es als Inkarnation des „freien“ Westens inzwischen geraten ist besteht darin, dass sich die Zahl der Bedürftigen im Lande aber schneller vermehrt als jene der Kreativen und Unternehmer. Die Bevölkerung der USA macht heute gerade einmal 4 % der Weltbevölkerung aus. Und da sich Motivation, Erfindungsreichtum und letztlich Wissen gerade nicht mit Geld kaufen lassen versagt das zentrale Machtmittel, das globale Finanzsystem an den US $ zu binden. Damit versagt die bisherige Möglichkeit Tribute in einer vorwiegend materiell betriebenen Wirtschaft über die Kontrolle des globalen Finanzsystems und das Drucken von US$ einzutreiben.

Denn Geld ist nicht nur ein Mittel, um Massen zu manipulieren. Geld ist ein fiktiver Wert, denn es steht für eine Forderung gegen niemand Bestimmten. Geldvermögen ist nichts anderes als die Ansammlung von Forderungen, deren Bonität für all jene reine Glaubenssache ist, die nicht selbst Ratingagenturen kontrollieren. Andererseits erlaubt es einer winzigen Minderheit über die Ausgabe von Schuldtiteln Steuern und Abgaben zu erheben, also Vermögen zu enteignen, ohne dass der Masse diese Tatsache überhaupt bewusst wird. Hinzu kommt, dass die entscheidende Ressource in einer „sich rasch weiter entwickelnden Welt“ die Fähigkeit zu immer neuen Erfindungen und Entdeckungen ist, die sich mit Geld weder bewerten, noch „kaufen“ lässt.

Diese höchst erfolgreiche Strategie scheint an ihr Ende gelangt zu sein, verschiedene Gesellschaften und Kulturen über die Einführung einer „Währung“ miteinander zu verbinden und so auch quasi unsichtbar zu beherrschen. Das liegt an den harten Grenzen, die der Gegenwart mit wachsender Geschwindigkeit quasi aus der Zukunft entgegen kommen. Dabei handelt es sich um die dramatisch wachsende Verdichtung menschlicher Aktivitäten, die überproportional wachsende inneren Reibungen verursachen. Es betrifft demographische Ungleichgewichte einer anderen Art, als sie an der Verteilung von Alterskohorten abzulesen ist, nämlich an der Verteilung von Wissen und Können in einer bislang unbekannten immer komplizierteren Zivilisation, die ohne „künstliche“ Intelligenz weder zu betreiben, noch zu erhalten ist.

Die dritte harte Grenze, die am raschesten wachsende Veränderung des kognitiven Horizontes, ist die Globalisierung des Informationsraumes. In letzterem kann sich der homo sapiens mit seinen in der Evolution entstandenen analogen Sinnen und seiner neuronalen Logik nicht mehr orientieren.

Tatsächlich finden sich heute sowohl jene knapp 8 Milliarden Herdenmitglieder, ebenso wie jene extrem kleine Gruppe, die diese Herde noch mit Hilfe von fiktiven Werten zu steuern versucht auf einer Art Exoplaneten wieder, auf dem die Erfahrungen der menschlichen Vergangenheit nicht mehr tragen.

FINIS GERMANIAE beschreibt deshalb ein Beispiel für eine Phase in der Evolution, die in überschaubarer Zeit hinauslaufen dürfte auf: 

HOMO SAPIENS – FINIS CORONA MUNDI

Andere Versionen des HOMO dürften dem SAPIENS folgen und diesen in ähnlicher Weise zurückdrängen, wie dieser es mit dem Neanderthaler oder anderen Urbevölkerungen einst gehandhabt hat.

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