Der 8 Mai, Kapitulation, Kriegsende Befreiung.

Ein nicht endenwollendes Rauschen geht durch den Blätterwald der Medien, Befreiung Auf allen Fernsehkanälen flimmert es Tag und Nacht, Befreiung Journalisten hacken es in die Tastatur ihrer Laptops, Befreiung Politiker stoßen das Wort  aus, wie einen Befehl, Befreiung Wer denkt und fragt, gerät ins Schwitzen, Befreiung? Jetzt besser nicht, erst Morgen wieder, wenn es vorbei ist, das Rauschen, das Flimmern und das Klicken der Tastaturen. Wer denkt und fragt, redet sich um Kopf und  Kragen Befreiung? Jeder Tonfall, jeder Wimpernschlag, jede Handbewegung wird registriert. Befreiung? Wieso fragen Sie überhaupt? Sie wollen doch wohl nicht, wollen sie ewa behaupten? Schliesslich haben wir doch! Ich schäme mich, Deutscher zu sein. Ich spreche kein Deutsch, wenn ich im Ausland bin. Ich bin kein Deutscher, ich bin Europäer. Nie wieder, was denn? Wie kannst du nur fragen willst du etwa…? Was soll ich denn wollen? Ja, weißt du denn nicht? Befreiung. Wovon? Wie, was du bist ja ein NAZI!

Den historischen Ergeignissen sei die Frage vorangestellt: Wieweit kann sich ein Kollektiv erniedrigen und inwieweit gibt es als Konsequenz des Glaubens so etwas, wie Buße als eine planmäßig herbeigeführte kollektive Verhaltensstörung

Spätestens im 13. Jahrhundert traten religiös-fanatisierte Gruppen auf, die sich, ob ihrer Sünden, selbst Qualen auferelegten und öffentlich selbst geißelten, bzw. auspeitschten. Dies führt zu der Frage, kann eine kollektive und intensive Beschäftigung mit Schuld zu einer kollektiven selbstquälerischen Hysterie führen?

Jahrhunderte später waren es die Jesuiten, die Buße neu definierten:

Nur ein ganz großer Sünder hat das Zeug zum großen Moralisten. Je schrecklicher die Sünde, desto tiefer die Buße und Reue. Je tiefer die Buße und Reue, desto strahlender am Ende das moralische Überlegenheitsgefühl.

Geislerzug (aus einer Handschrift des 13. Jahrhunderts)

Selbstgeißlung, der Mangel an Selbstwertgefühl und die Neigung, sich selbst zu bestrafen, hat im Laufe der Geschichte nicht nur einzelne Menschen oder Gruppen befallen. Selbst-Geißelung oder auch Flagellantentum kann, wie bei den Deutschen offenkundig, ein ganzes Volk befallen. So kommt der Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte und sich selbst, in unseren Tagen einer kollektiven Psychose gleich. Derzeit allerdings beginnen die Deutschen, sich gemäß der Jesuitischen Devise, in moralischer Überlegenheit „strahlend“ zu erheben, um einen Nationalismus in Schuld zu pflegen, mit der tiefen Überzeugung, schlechter zu sein, als alle Völker der Erde. Soviel vorab zum Selbstwertgefühl der Deutschen, das kluge Köpfe mit ausgefeilten Mitteln zum sinnstiftenden Imperativ erhoben haben.

Umgang mit der Selbstgeißelung


Zum 40. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht hielt sich der damalige Bundespräsident Friedrich v. Weizsäcker am Mai 1985 veranlasst, kurz vor seinem Israel-Besuch, eine Rede zu halten, in der er neben verschiedenen anderen Aspekten, den 8 Mai 1945 zum Tag der Befreiung erklärte. Dieser Passus in der Rede v. Weizsäckers war seinerzeit höchst umstritten und erntete Widerspruch vor allem aus konservativen Kreisen. Dies, obwohl Weizsäcker seinerzeit einschränkend eine Kolldektivschuld ablehnte, indem er ausdrücklich feststellte: „Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich“. Damals warnte Franz Josef Stauss neben etlichen anderen Politikern und forderte, die Vergangenheit „in der Versunkenheit verschwinden zu lassen, denn die ewige Vergangenheitsbewältigung als gesellschaftliche Dauerbüßeraufgabe lähmt ein Volk!“ Die Tatsache dass der Vater des ehemaligen Bundespräsidenten, Ernst von Weizsäcker, Staatssekretär im auswärtigen Amt gewesen war und Brigadeführer der Alllgemeinen SS, gibt Strauss recht. Sie belastete die Position des Bundespräsidenten und machte ihn erpressbar, zumal der Vater wegen seiner Beteiligung an der Deportation fanzösischer Juden nach Auschwitz, vor dem Nürnberger. Tribunal verurteilt worden war. Damals war der spätere Bundespräsident als Hilfsverteidiger sein

Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1985, tauchte zum ersten Mal das Wort von der „Befreiung“ auf. Geprägt hatte es, sozusagen am Vorabend zu seiner Israel-Reise kein Geringerer, als der damalige deutsche Bundespräsiden, Richard von Weizsäcker. Allerdings differenzierte Weizsäcker, indem er den Begriff der Befreiung eindeutig den Opfern des Holocaust, den Insassen in den Konzentrationslagern und überhaupt den Verfolgten des Nationalsozialistischen Terrors zuordnete. Ansonsten stellte der Bundespräsident klar, dass es freilich für viele Menschen, unter Anderem für die Vertriebenen aus den Ostprovinzen und den Soldaten, die aus den Gefangenenlagern kamen, eine schwere Stunde der ungewissen Zukunft war. Mit anderen Worten, Weizsäckers Rede war differenziert genug, um sich aus eigener Sichtweise und Erfahrung der einen oder der anderen Gruppe zuzuordnen. Eine Kollektivschuld der Deutschen lehnte Weizsäcker ab: „Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich“. So der damalige Bundespräsident.

Rückblickend betrachtet darf man annehmen, dass Weizsäcker nichts anderes im Sinn hatte, als eine Brücke zwischen den verschiedenen Wahrnehmungen zu schlagen, im Gegensatz zur Rede des jetzigen Bundespräsidenten Steinmeier, der am 8. Mai 1945 pauschal die Befreiung als politischen Imperativ formuliert, sozusagen als Vorgriff auf die Erhebung dieses historischen Datums zum allgemein verbindlichen Feiertag.

Damals, als von Weizsächer mit seiner Rede den Begriff der Befreiung ins Spiel brachte, warnte Franz Josef Stauss neben vielen anderen Politikern der CDU/CSU, wie man heute sieht, mit Recht und forderte, die Vergangenheit „in der Versunkenheit verschwinden zu lassen, denn die ewige Vergangenheitsbewältigung als gesellschaftliche Dauerbüßeraufgabe lähmt ein Volk!

Die Tatsache, dass der Vater des ehemaligen Bundespräsidenten, Ernst von Weizsäcker, Staatssekretär im Auswärtigen Amt gewesen war und Brigadeführer der Allgemeinen SS, gibt Strauss recht. Sie belastete die Position des Bundespräsidenten und machte ihn erpressbar, zumal der Vater wegen seiner Beteiligung an der Deportation fanzösischer Juden nach Auschwitz, vor dem Nürnberger Tribunal verurteilt worden war. Damals war der spätere Bundespräsident als Hilfsverteidiger seines Vaters in Nürnberg aufgetreten.

Inzwischen ist die These von der „Befreiung“ zementiert und es ist tragisch, dass Richard v. Weizsäcker, ein integrer und aufrechter Mann, in die Mühle von Stategieen geraten war, die Franz Josef Strauss damals richtig eingeschätzt hatte. Deutschland ist nicht nur von Vergangenheits-bewältigung „als gesellschaftliche Dauerbüßeraufgabe gelähmt“, sondern derzeit im Begriff, daran zu zerbrechen.

Richard von Weizsäcker, Bundespräsident
*15. April 1920 in Stuttgart † 31 Januar 2015 in Berlin
Bild:Wikipedia

Am 8. Mai 1945 hatte die deutsche Wehrmacht mit allen Waffengattungen militärisch bedingungslos kapituliert. Diese bedingungslose Kapitulation, die Generaloberst Alfred Jodl für die Wehrmacht am 7. Mai 1945, kurz vor Mitternacht im Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, SHAEF, in Reims, für alle Waffengattungen und noch verbliebenen Frontabschnitte unterschrieben hatte, trat am 8. Mai 1945 in Kraft. In dem Zusammenhang ist zunächst festzuhalten, dass die in Reims unterzeichnete Urkunde nicht mit der ursprünglichen Fassung übereinstimmte, so wie sie auf der Konferenz von Yalta, vom 4. Febr. 1945 bis zum 11. Febr. 1945, beschlossen worden war.

Die menschenverachtenste Entscheidung der Großen Drei, v.l. Churchill, Roosevelt, Stalin: Auslieferung aller Russen und Ukrainer an Stalin (Wlassov Armee) , die auf deutscher Seite gestanden waren. (Vor allem die ukrainischen Kosaken)

Auf Yalta war ursprünglich festgelegt worden, dass die Kapitulation mit einer Übernahme der Regierungsgewalt in Deutschland und seiner Zerstückelung verbunden sein sollte. In der Kapitulationsurkunde von Reims war dieser Passus allerdings nicht mehr enthalten und so regelte die deutsche Kapitulation des 8. Mai 1945 de jure, ausschliesslich die militärischen Angelegenheiten.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai fand auf Betreiben der Sowjets eine Wiederholung der Kapitulationszeremonie in Berlin Karlshorst statt. Die Nachricht wurde am 9. Mai um 20:03 Uhr im letzten Wehrmachtsbericht des einzigen verbliebenen Reichssenders, Flensburg, verlesen. Zu dieser Zeit gab es immer noch eine amtierende Reichsregierung, die im schleswig-holsteinischen Flensburg unter Admiral Dönitz residierte. Erst am 23. Juni 1945 hörte das Reich auf, zu bestehen. Es erfolgte die Verhaftung der Regierung Dönitz, auf Befehl von General Dwight D. Eisenhower, mit Rücksicht auf den sowjetischen Alliierten. Dies geschah allerdings gegen die Interessen der Briten.

Kapitulation Reims

Spätestens hier beginnt eine Diskussion staatsrechtlicher Natur, ob denn die Auflösung des Deutschen Reiches, völkerrechtlich gesehen, möglicherweise nicht Rechtens gewesen war. Etliche deutsche Historiker argumentieren, daß Aufgrund der Verhaftung der Regierung Dönitz in Flensburg, das Deutsche Reich aufgehört habe, zu bestehen. Diese Auffassung ist geradezu exotisch, wenn man vergleichsweise argumentieren würde, man müsse nur die Bundeskanzlerin verhaften und die Regierung auflösen, um die Bundesrepublik Deutschland als Staatswesen abzuschaffen.

Letzte deutsche Reichsregierung Dönitz Juni 1945

Unbestreitbar ist jedenfalls, dass diese Auflösung und die danach folgende Zerstückelung Deutschlands auf Betreiben der Sowjets und gegen den ausdrücklichen Willen Winston Churchills, geschehen war. Der Premier hatte freilich anderes mit den Deutschen vor, denn inzwischen hatten sich die Spannungen mit der UDSSR und den Westmächten soweit verschlechtert, dass Churchil sich sogar zu der Aussage veranlasst sah: „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet“.

Kapitulationsurkunde Berlin Karlshorst

Wie war es zu einem derart totalen Untergang des Deutschen Reiches gekommen und warum hatte Deutschland, selbst im Angesicht der totalen Niederlage, sozusagen bis zur letzten Patrone gekämpft?

1943 hatten die Alliierten auf ihrer Casablanca-Konferenz, gegen die Bedenken Churchills, die bedingungslose Kapitulation gegenüber Deutschland, als alleiniges Kriegsziel, festgeschrieben. Mit anderen Worten, es gab von Anfang an nur eine Option: „Deutschland als Machtfaktor in der Welt, ein für allemal auszuschalten“ und für die Deutschen gab es ebenfalls nur die eine Option: „Siegen, um nicht unterzugehen“. Das Problem war, dass der US Präsident, Franklin Delano Roosevelt, ab 1943, physisch und psychisch zunehmend kaum noch in der Lage war, eine Großmacht wie die USA, zu führen. Nach Zeugnis seines engeren Umfelds, war Roosevelt ein todkranker Mann, der sich täglich maximal 2-4 Stunden auf sein Amt konzentrieren konnte. Zum zweiten hegte der US Präsident, eine irrationale Zuneigung zu Josef Stalin, den er freundschaftlich „Uncle Joe“ nannte.Wie Roosevelt und sein Stab die monströsen Verbrechen an über 16 Millionen Menschen in der UDSSR und die Massenliquidierung von tausenden polnischen Offizieren in sein Weltbild einordnete, das nahm Roosevelt als Geheimnis mit ins Grab. Roosevelt stand bis zu einem gewissen Grade unter dem Einfluss seines Finanzministers Henry Morgenthau, der die Deutschen zutiefst hasste, allerdings mit einiger Berechtigung. Morgenthau war Jude und im Gegensatz zu Roosevelt, der ebenfals jüdischcher Abstammung war, litt er, im Gegensatz zum Präsidenten, zutiefst an der Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalasozialisten, während Roosevelt, dem die Naziverbrechen auch nicht verborgenn geblieben waren, diese schlichtweg ignorierte. Als Dritter im Bunde stand der britische Premier Winston Churchill vor der unlösbaren Aufgabe, der völlig konzeptionslosen Handlungsweise des US Präsidenten soetwas wie eine rationale Strategie, entgegenzusetzen. Dies gelang Churchill nur sehr bedingt, denn sein Land war finanziell Pleite und hing am Tropf der USA.

Was den Feind, das Deutsche Reich, betraf, so trat genau das ein, was Churchill befürchtet hatte. Hitler und seine gleichgeschaltete Presse konnte die Deutschen nach Casablanca davon überzeugen, erbitterten Widerstand „bis zur letzten Patrone“ zu leisten, denn es gab nicht den geringsten Spielraum für Friedensverhandlungen. So mancher Durchhaltebefehl Hitlers, lässt sich mit Casablanca erklären.

Es war insbesondere der deutsche Widerstand gegen Hitler, dem durch die alliierte Entscheidung von Casablanca, der Boden entzogen wurde. Die Alliierten hätten bei einem Erfolg des Widerstandes, ihre Pläne mit Deutschland aufgeben müssen. Denn vor den Augen der Welt hätten sie ihr Gesicht verloren, wenn sie unter den Umständen eines erfolgreichen Attentats gegen Hitler, weiterhin auf einem bedingungslosen Waffenstillstand beharrt hätten. In einer solchen Situation hätten die Alliierten gezwungener Maßen auf einen Frieden mit Deutschland eingehen müssen, einen Frieden, den sie um keinen Preis wollten, denn für sie gab es nur eine Option: „Die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches“. Für die Alliierten gab es keinen Unterschied zwischen dem Regime Hitler und „diesen Preussischen Junkern“, wie sie den Kern des Widerstands klassifizierten. Hitler und Deutschland, das machte für die Alliiierten keinen Unterschied.

Claus Philipp Maria Schenk Oberst, Graf von Stauffenberg (* 15. November 1907 Erschossen am 21. Juli 1944) Bild Wikipedia

Nach Einschätzung der Alliierten beabsichtigten diese, so bezeichneten „preussischen Junker“, ohnehin nur Vorteile durch einen ausserplanmäßigen Friedensschluss zu gewinnnen. Hinzu kam aber auch das latente Misstrauen der „Grossen Drei“ untereinander. England und die USA befürchteten, Stalin könnte sich bei Gelingen des Attentats auf Hitler auf einen Separatfrieden zwischen der UDSSR und dem Deutschen Reich verständigen. Immerhin hatten die Sowjets bereits über das „Nationalkommitee Freies Deutschland“ begonnen, eine deutsche Exilregierung aufzubauen. Lebhaft war in den Köpfen der Westalliierten zudem noch die Erinnerung an den Vertag von Rapallo von 1922, zwischen dem Deutschen Reich und der Russischen Föderativen Sowjetrepublik, der Vorläuferin der UDSSR. Übrigens ein Geniestreich des damaligen deutschen Außenministers Walther von Rathenau, der das Reich zum Schrecken der ehemaligen Kriegsgegner des Ersten Weltkrieges, Grossbritannien und Frankreich, mit diesem Vertrag aus seiner, durch den Friedensvertrag von Versailles bedingten Isolation, herausführte. Stalin seinerseits mißtraute den Westalliierten, sie könnten in einer Art Kertwende gemeinsam mit den Deutschen, gegen Russland marschieren.

Wie zwiespältig und konzeptionslos die Alliierten überhaupt agierten, zeigt sich daran, daß sie 1944 im Rahmen einer Planungsgruppe in London begannen, für den Sieg über Deutschland zunächst ein massvolles Friedenskonzept zu entwickeln. Andererseits waren sie darauf fixiert, Deutschland unterschiedslos, mit oder ohne Hitler, den Garaus zu machen. So schrieb Roosevelt am 19. August 1944 an seinen Finanzstaatssekretär, Henry Morgenthau jr.: „Man muss die Deutschen entweder kastrieren oder sie so behandeln, dass sie nicht erneut Leute in die Welt setzen, die so handeln wie sie es in der Vergangenheit getan haben.

Dementsprechend verfuhren die Alliierten im Umgang mit dem deutschen Widerstand gegen Hitler. London und Washington lehnten, im Einvernehmen mit Josef Stalin, jegliche Kontaktaufnahme und Unterstützung des Kreises um Oberst Stauffenberg ab. Die Briten gingen sogar so weit, nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 über die BBC eine Namensliste von deutschen Widerstandkämpfern zu verbreiten, die bis zum Zeitpunkt des Attentats unerkannt geblieben waren. Die selbstverständliche Konsequenz des NS Terror-Regimes war die umgehende Verhaftung und Liquidierung dieser Widerstandskämpfer aus der Liste des Londoner Rundfunks.

Was das Kriegsziel der Alliierten grundsätzlich betraf, so ging es den Briten um nichts anderes, als Deutschland auf lange Sicht wirtschaftlich klein zu halten und die deutsche Konkurrenz auf den Weltmärkten bis zu einem bestimmten Grade auszuschalten. Josef Stalin wiederum ging es um Vergrößerung der sowjetischen Einflusssphäre im Westen seines Herrchaftsgebietes und US Präsident Roosevelt favourisierte, gegen den vehementen Widerstand weiter Kreise in den USA und Großbritannien, einen Plan seines Finanzministers Henry Morgenthau, Deutschland als Staatswesen restlos aufzulösen, seine gesamte Industrie zu demontieren und das Reich in drei voneinander unabhängige Agrarstaaten aufgehen zu lassen. Wobei schließlich große Teile des ehemaligen Reiches an seine Nachbarn abgetreten werden sollten. Vier Millionen Deutsche sollten zudem als Arbeitskräfte zum Wiederaufbau in die UDSSR abgestellt werden und einige Millionen Deutscher hätte man in Nordafrika ansiedeln wollen. Last not least sollten alle Nazigrößen sofort und unterschiedslos erschossen werden.

Orig. Planskizze aus dem Mirgenthau Plan Bild Wikipedia

Auf der zweiten Alliierten Konferenz im September 1944, im kanadischen Quebec, wurde der Morgenthau Plan trotz erheblicher Bedenken und mit zögerlicher Zustimmung Winston Churchills, beschlossen. Gleichzeitig hatte Roosevelt den Briten eine weitere Milliardenhilfe zugesagt, die England dringend benötigte. Wenig später geriet der so diskret eingebrachte Morgenthau Plan allerdings durch Indiskretion in die US Presse und löste einen Sturm der Entrüstung aus. Angesichts der kurz bevorstehenden Kongress- und Präsidentschaftswahlen ging Präsident Roosevelt auf Distanz zu seinem Intimfreund Henry Morgenthau und dessen Plänen und auch Churchill wollte nichts mehr von der Sache wissen und konnte sich nicht daran erinnern, den Plan je unterschrieben zu haben. .

Der tiefe Hass Henry Morgenthaus auf die Deutschen rechtfertigt sich durch die inzwischen bekanntgewordenen Greuel der Nationalsozialisten im Osten und die 1943/44 in vollem Gang befindliche, systematische Ermordung der europäischen Juden in den Vernichtungslagern in Ostpolen.

Im Gegensatz zu Morgenthau, dessen Familie ebenso aus Deutschland stammte, wie die Roosevelts, ignorierte letzterer, ebenfalls Jude, die Schreckensnachrichten über den Judenmord in Ostpolen und liess sich davon zu keinem Zeitpunkt beeindrucken. Ebensowenig gestattete er die Bombardierung der Verkehrswege von und nach Auschwitz. Zudem lehnte Roosevelt vor allem wegen der nicht zu unterschätzenden antisemitischen Tendenzen in den USA die Aufnahme von jüdischen Emigranten in die USA mit Blick auf die 1944 anstehenden Präsidentschaftswahlen weitgehend ab. Roosevelts größte Sorge war, dass man ihm unterstellen könnte, er führe diesen Krieg der Juden wegen und so hielt er, trotz guter Freundschaft zu Henry Morgenthau, Distanz zu allem, was jüdische Interessen betraf.

Seite 1 des Morgenthau Plas US deklassified document

Morgenthau, der, im Gegensatz zu seinem Präsidenten und weiten Kreisen in der Politik und der Armee, jüdischen Flüchtlingen aus Europa zu helfen suchte, stieß dabei auf allseitigen Widerstand und so kam es zwischen ihm und dem Unterstaatssekretär im Kriegsministerium und späteren Hohen Kommissar für die Bundesrepublik Deutschland, John McCloy, zu heftigen Auseinandersetzungen.

Henry L. Stimson US Kriegsminister
Bild Wilipedia

Auch US-Kriegsminister Stimson stimmte mit seinem Unterstaassekretär McCloy darin überein, dass die US-Streitkräfte nicht zur Rettung von Nazi-Opfer eingesetzt werden sollten, es sei denn, eine solche Intervention wäre Teil einer militärischen Operation, die notwendig sei, um den Krieg gewinnen zu helfen. Zum Zweiten Weltkrieg insgesamt, vertrat McCloy den grundsätzlichen Standpunkt: „Die Sieger des Ersten Weltkriegs hätten anstelle des in Versailles über Deutschland verhängten Straffriedens besser daran getan, die besiegte Nation in die europäische Wirtschaft einzubeziehen und sie als Bollwerk gegen den sowjetischen Bolschewismus zu stärken.

Unterstaatssekretär John McCloy vor der „Heiligen Kuh“ (Die US-Präsidentenmaschine in Europa:
Douglas C-54 Skymaster)
Bild Wikipedia

Ein anderer Vorfall charakterisiert die differenzierte Stimmung in den USA gegenüber Deutschland. Im April 1943, als Finanzminister Morgenthau in der Carnegie Hall in New York City über den Krieg sprechen sollte, wollte er gemäß seinem Manuskript versichern, dass die Alliierten „Deutschland hinunterstürzen wollten, bis auf sein verrottetes, blutbeflecktes Fundament“. Ein Zensor des Kriegsministeriums missbilligte diesen Passus in Morgenthaus Redekonzept und belehrte ihn, dass „die meisten Deutschen gute Menschen seien“ und es „eine Schande sei, derart über sie zu sprechen, wie es der Finanzminister beabsichtige“. Gezwungenermaßen sah sich Morgenthau dazu veranlasst, seine Aussage auf den Begriff „Nazi-Deutschland“ zu reduzieren.

Das Bekanntwerden des Morgenthau Plans rief natürlich auch die deutsche Presse auf den Plan. Groß aufgemacht titelte die Einheitspresse mit dem Goebbels Zitat. „Die Allierten wollen aus Deutschland einen Kartoffelacker machen“. Die US Zeitungen ihrerseits zitierten namhafte Politiker und die US Medien mit der Schlagzeile. „Dieser Morgenthau Plan ist für die Deutschen mehr wert als 10 frische Divisionen“.

Tatsächlich mussten die Alliierten zur Zeit des Bekanntwerdens von Henry Morgenthaus Plänen während der Kämpfe um Aachen und auch während der Ardennenoffensive, wegen des massiven deutschen Widerstands, schwerste Verluste hinnehmen. Dazu McCloy am 20. Dezember 1944: „Es ist umwerfend, dass sie so schnell und in so völlig verdeckter Form so viel Kraft aufbringen können, vor allem, wo wir doch die Luftherrschaft haben(…) Gerade wenn du denkst, dass sie am Boden sind, kommen sie mit diesen schwindelerregenden Schlägen zurück, dass dir die Zähne klappern“.

Am 5. Januar 1945 forderte der demokratische Senator Burton Wheeler, aus Montana, dass Roosevelt angesichts der tobenden Ardennenschlacht seine „brutale und kostspielige“ Forderung nach bedingungsloser Kapitulation fallen lassen möge. Wheeler führte aus: „Die Mehrheit der Amerikaner sei nicht bereit, einen Rachefrieden gegen Deutschland zu sanktionieren. Sie wollten auch nicht, dass Amerika Europa in einen brodelnden Ofen von Brudermord, Bürgerkrieg, Mord, Krankheit und Hunger, verwandelt“. Fakt ist, es gab nicht wenige Stimmen in den USA, die noch zu Beginn des Jahres 1945 den Kriegsausgang als ungewiss betrachteten und auch die Briten schienen kriegsmüde und pfiffen Churchill nicht nur einmal aus, wenn er sich in der Öffentlichkeit zeigte.

Blick vom Rathausturm auf die Ruinen von Dresden.
Vom 13. bis zum 15. Februar hatten die Alliierten die Stadt bombardiert und dabei fast vollständig zerstört.
Bild Wikipüedia

Kritik an der Art und Weise der alliierten Kriegsführung äusserte Kriegsminister Henry L. Stimson im März 1945. Stimson äusserte sich betroffen über den „schrecklichen und wahrscheinlich unnötigen Mord“ an vielleicht fünfzigtausend Menschen während des alliierten Bombenangriffs auf Dresden im vergangenen Monat. In seinem Tagebuch vermerkte Stimson, dass die Stadt, die für ihr Porzellan und ihre Architektur bekannt ist, die Hauptstadt Sachsens sei, der am wenigsten preußisierte Teil Deutschlands, der das Zentrum eines neuen, weniger preußisierte Deutschlands sein sollte, das der Freiheit verpflichtet sei.“

Im Oktober 1944 hatten die Allierten als erste deutsche Großstadt die altehrwürdige Kaiserstadt Aachen unter schwersten Opfern eingenommen. Der Anfang vom Ende eines Terror-Regimes, das Europa ins Unglück gestürzt hatte. Doch der Weg nach Berlin war noch unerträglich weit. Fragt man, warum so lang, warum sie weit? Dann findet sich die Antwort im Morgenthau-Plan. Dem Plan des Hasses und der Rache, wie es die meisten Westalliierten Politiker und Militärs wortwörtlich auf den Punkt brachten.

Epilog: Wie im ersten Teil meines Aufsatzes zitiert, findet sich doch immer wieder, laut Germaine de Staël (*22. April 1766 in Paris , † 14. Juli 1817 ebenda“), ein obskurer deutscher Professor, der so lange an der Objektivität herumbastelt, bis er bewiesen hat, dass die Deutschen Unrecht getan haben.“

In der Tat, deutsche professorale Authoritas hat sich inzwischen sogar dazu verstiegen, dem Morgenthauplan visionäre und sozialrevolutionäre Aspekte eines wünschenswerten Ökostaates abzugewinnen. Im übrigen sei das alles garnicht so dramatisch gewesen, das mit dem guten Morgenthau. Nur Nazis und Rechtsradikale hätten das gar zu sehr aufgebauscht, so die Quintessenz strammen deutschen Gelehrtentums.

Es folgt in Kürze: „Die Besetzung Deutschlands: 1945 die teilweise Umsetztung des „Morgenthau Plans“. 1947 Eine neue Chancen für Deutschland

Am Vorabend zum 8. Mai 1945: Die „Befreiung“, eine Lebenslüge der Deutschen

Erster Teil

Die Chance, dass Deutschland als Genius, ein neues Europa maßgeblich mit zu inspirieren vermöchte, ist vertan. Deutschland ist zurückgefallen in eine Art mittelalterlicher Verblödung und damit verbunden in einen inquisitorisch-fiesen Säuberungswahn an allem und vor allem an sich selbst. Das Deutsch-sein ist zur Erbsünde geworden, einer Erbsünde, die es vor aller Welt winselnd zu büssen gilt. Ein neuer Nationalismus, der „Unterheblichkeit“ schlechter zu sein, als alle Wel, hat das Wurzelwerk der deutschen Geschichte bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und der Boden ist bereitet für eine völlige Aufgabe aller, durch Geschichte und Kultur, erwachsenen Rechte und Verbindlichkeiten.

Ganz in diesem Sinne wird derzeit unter dem kollaborierenden Schweigen der bügerlichen Mitte, das Prinzip von Nation, Staat und Staatsvolk, entgegen dem Selbstvertändnis der übrigen Welt, in die rot-grüne Tonne getreten. Anstelle dessen wird eine indifferente Struktur beschworen, die sich als jedermanns Organsation versteht und die es vorzieht, ihr Defizit an Nachwuchs eher aus aller Welt zu rekrutieren, als das eigene Eheweib zu bemühen. Wie soll das auch gehen, wenn alle Kraft abgesogen und das Land bis auf die blanken Knochen geschröpft wird. Schlimmer noch, die deutsche geheime Verfassungsschutzpolizei bekämpft, verkommen zur Gesinnungsschnüfflerin der Ideologen, jede patriotische Regung.

„Antifa“

Pubertierende Wirrköpfe von Fanatismus mit unendlicher Dummheit und Ignoranz gesegnet, geben auf Demos unartikulierte Schüttelreime von sich und wenn man sie fotografieren oder filmen will, dann verstecken sie ihre Gesichter verschämt hinter ihren Spruchbändern. Ganz so, als ob sich ihre Gene unterbewußt schämen würden, an einem derartigen Mummenschanz beteilig zu sein.

„Antifa“ in Dresden

Stellt man diesen propagandistisch vernebelten Irrläufern eine konkrete Frage, so sind sie letztlich unfähig, auch nur einen einzigen eigenständigen und zusammenhängenden Satz zu formulieren. Das Ganze erinnert an die ritualhaften Springprozessionen des Mittelalters und an das Königreich der Wiedertäufer zu Münster, einer Zeit, in der jeglicher Verstand aus dem Ruder lief und niedergebrüllt wurde.

Der Genius der Aufklärung ist entmachtet und wie es Hyronimus Bosch nicht besser hätte malen können, springt uns aus dem Dunst von Verkommenheit und blindem Fanatismus, die hässliche Fratze der totalen Orientierungslosigkeit an.

Antifa

Man sollte eigentlich meinen, dass gerade die Deutschen immun geworden wären, gegen absurde Theorien und gegen Indoktrination. Sie waren doch nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Kriege, wie Phönix aus der Asche aufgestiegen, französischem Genius und Englands weltumspannendem Rationalismus folgend, erheblich an der Aufklärung beteiligt. Doch 12 Jahre Nationalsozialisus, ein gebrochenes Rückrat durch einen totalen Zweiten Weltkrieg und eine nicht minder totale und bedingungslose Unterwerfung hatten gereicht, um aus den Deutschen einmal mehr willenlose und desinformierte Vasallen zu machen.

Antifa

Die Deutschen hatten reichlich spät in der Geschichte gelernt, autonom zu denken und zu handeln und als sich die meisten Staaten Europas längst als homogene Gemeinwesen etabliert hatten, spielten die Deutschen immer noch den nützlichen Idioten der römischen Kurie. Sie waren weitgehend ungebildet und unbeholfen, frönten dem Alkoholismus, waren streitsüchtig und äfften kritiklos alles Fremde nach, bis zur Lächerlichkeit. „Wir wohnen in Teutschlandt und kennen seine Bequemlichkeit nit, die der anderen kennen wir und daheim bei uns selbst seind wir, wie Fremdlinge„. So ein Sprichwort aus dem Mittelalter im Niedergang.

Immer wieder streben die Deutschen auseinander. Der Grund: Fehlender Glaube an sich selbst und daraus resultierend eine tief sitzende Unsicherheit. „Teutschlandt ist wie ein schöner weidlicher Hengst, der Futter und alles genug hat, es fehlt ihm nur an einem guten Reiter.“ Dieses sebstkritische Sprichwort aus dem 15. Jahrhundert bringt das Problem auf den Punkt.

Die Deutschen fühlten sich wie verlassene Kinder, weil ihnen zu einem gewissen Zeitpunkt ihr Bezugspartner, der Deutsche König quasi abhanden kam, denn der wollte partout vom Papst zum Kaiser des Römischen Reiches gesalbt werden.

Die Aufgaben des Kaisers als Hüter der Christenheit, die ein starkes Engagement in Norditalien bzw. im päpstlichen Rom forderten, gerieten zum Nachteil für die Festigung der deutschen Identität. Auf der anderen Seite erwuchs den Fürsten Machtzuwachs, da in Deutschland das Wahlkönigtum herrschte, ohne feste Hauptstadt, ohne Mittelpukt. Und da, wo er hätte sein sollen, war er kaum, der Kaiser. Und wenn er dann doch da war, sorgte er sich um seine Pfründe und seinen Clan. So hatte die Nation der Deutschen einen instabilen Bezugspartner, der sich seinem Volke nur unzureichend widmete. Es entstand eine diffuse Reichssehnsucht, die etwa der jüdischen Sehnsuchtsformel ähnelte, die da lautete: „Morgen in Jerusalem“.

„Eines Tages tritt er Heraus aus dem Begr und das Reich wird wieder erstehen“ So die Sage
(Bild DPA()

Kurzum, die Deutschen waren existentiell überfordert, sie hatten nur einen Mythos, eine vage Reichssehnsucht, im Gegensatzt zur Judenheit, die sich auf die sinnstiftende Thora stützen konnten und damit für dem permanenten Marsch durch das Rote Meer bestens gerüstet war.

Die Reichssehnsucht als Mythos der Deutschen manifestierte sich aus der Kyffhäusersage, nach der Kaiser Barbarossa irgendwann in seinem Berg, dem Kyffhäuser, erwachen und heraustreten werde, um das Reich der Deutschen endgültig zu einen.

Tatsächlich waren die Deutschen die längste Zeit in ihrer Geschichte ein führungsloses Staatsvolk, eingebunden in Fürstentümer und sehr oft vertreten von schwachen Kaisern. Zunehmend zersplittert und politisch gegeneinander ausgespielt, aber unbeschadet dessen, waren sie ungebrochen davon überzeugt und voll Hoffnung, dass doch eines Tages Kaiser Barbarossa heraustreten werde, aus dem Kyffhäuser und das alte Reich wiedererstehen lassen werde, freilich ohne die nie akzeptierte Rolle eines Römischen Reiches von päpstlichen Gnaden. Erst die Reformation, der Humanismus und die Emanzipation des Reichstages unter dem aufmüpfigen Erzkanzler, Kurfürst Bertram von Mainz, und dem, nach heutigem Verständnis „modernen“ Regierungsstil Kaiser Maximilians, der sich ersmals selbst den Titel „Erwählter Römischer Kaiser“ gab, führte die „tumben Teutschen“ in die Neuzeit. Und so begann ab Mitte des 15. Jahrhunderts und vor allem mit Beginn des 16. Jahrhunderts eine gewaltige Aufholjagd der Deutschen in der geistigen und politischen Bewusstseinsbildung und in der Entwicklung der Geisteswissenschaften. Nicht zuletzt inspiriert durch die Entwicklung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, zu Mainz. In diesem Klima wurde nicht zuletzt auch die Figur „Till Eulenspiegel“ geboren, dem Narren, der den Mächtigen den Spiegel vor Augen hält. Der übrigens auch die Figur des Rattenfängers von Hameln verkörperte. Eine Figur, die durch Adolf Hitler und Josef Stalin in der Moderne neue und fürchterliche Dimensionen gewann.

Eine der bezeichnensten Schriften dieser Zeit des Aufbruchs ist das Werk „Germania“ Von Sebastian Franck. Sebastian Franck von Wörd, geboren 1499 in Donauwörth, 1542 in Basel gestorben, war ein deutscher Theologe, Schriftsteller, Publizist, Geograph, Philosoph, Übersetzer und Buchdrucker, der in Ulm und in Straßburg wirkte.

„Germania“ (Bayerisches Hauptstaatsarchiv)

Frank skizziert die Deutschen geradezu erbarmungslos, wenn er schreibt: „Wer die Teutschen betrachtet, findet, dass diese wenig Sinn für Humor haben, dazu neigen alles genau zu untersuchen und zu hinterfragen. Sie zeigen eine äffische Art, alles unbedingt richtig machen zu müssen. Sie kritisieren alles, was sie nicht kennen und es gefällt ihnen nicht einmal ihre eigene Nase. Von sich selbst wissen sie wenig aber sie  durchwandern alle Länder, bis hin zu den äußersten Inseln in der neuen Welt.  (…) Es geht dergestalt mit den Teutschen zu, dass sie immerzu wähnen, die Kühe der anderen hätten viel größere Euter als die eigenen und auf dem Acker des Nachbarn wüchse das Getreide höher, als auf dem eigenen. (…) Mehr noch, sie bewundern kritiklos fremde Sitten:  Kleider Sprache und Gebärden. So ist es Teutsch, blonde Haare schwarz färben zu lassen und nach  französischer, spaniolischer oder welscher Mode kunstvoll zu frisieren. Man sieht auch seltsam geschorene Köpfe und hört eine unverständliche  Sprache. Sie „ongern“ (nuscheln) derart, so als könnten sie nicht einmal sprechen. Alles in allem wirken sie, wie bunte Affen in fremdartigen Kleidern.(…) Die Teutschen sind kein Volk, das  bei seiner eigen Sprache und Kleidung bleibt. Korpulent, wie sie meist sind, erkennt man sie am Saufen und am Streiten. Ein Ungar Böhm, Franzos, Walscher und Spanier kennt man bei seiner Sprach und Kleidung aber einen Teutschen bei seiner Torheit und Sorglosigkeit. (…) Die. Teutschen, ein Volk, das allen Ländern will nach dem Ton reden.(…) Nicht von ungefähr haben uns die Römer Barbaren genennt und damit nicht unrecht getan. Es gibt kaum ein vernünftig höflich Wort. Also geb Gott, dass sie durch dieses, mein Raspeln aufgewecket werden und dass ín Teutschland ein bessere Melodei und Symphonei möchte geschlagen werden“.

Der 8 Mai „Die Befreiung“ – eine Lebenslüge der Deutschen

Dresden 1945 (Bild Wikimedia)

Warum lassen sich die Deutschen, was ihr Selbstverständnis betrifft, eigentlich jeden Unsinn aufschwätzen und warum halten sie die politischen Thesen ihrer ehemaligen Kriegsgegner geradezu für Gottes Offenbarung, während sie jene Landsleute feindselig verfolgen, die es nicht akzeptieren wollen, dass ihr Land zugrunde gerichtet wird?

Dreimal hat die  deutsche Nation in ihrer Geschichte einen Totalcrash erlitten und da aller guten Dinge Drei sind, kam nach dem DreißigJährigen  Krieg, 1648, dem Ersten Weltkrig 1918, schließlich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 8. Mai 1945, wohl das endgültige Aus.

Keine Frage, Deutschland ist geistig, sittlich und charakterlich so sehr verkrüppelt, dass eine Therapie kaum noch möglich scheint, denn, was wissen die Deutschen eigentlich noch über sich selbst? Nichts.

Mit der konsequent verordneten und beflissen akzeptierten Geschichtslosigkeit, wie sie in Deutschland praktiziert wird, sind natürlich bestimmte politische Pläne aufgegangen, die derart verinnerlicht sind, dass dagegen nicht einmal Indifferenz hilft. Der herrschende Zeitgeist reduziert den Facettenreichtum der deutschen Geschichte auf die kollektive Autosuggestion:“ Wir müssen aus der Geschichte lernen, so dass sich dies oder jenes in deutschem Namen Geschehene, niemals wiederholen möge.“

Natürlich  ist in diesem Postulat Denkzwang verborgen, der jede weiterführende Geschichtsbetrachtung ins Negative münden lassen muss. Dem Adressaten dieses Postulates soll ja vor sich selbst ekeln. Ganz aus sich selbst heraus soll er seine Nationalität leugnen, um dann in irgendeinem Konstrukt aufzugehen, das alles mögliche sein darf, nur nicht deutsch und auch Nachwuchs zu generieren, erfüllt die Deutschen, wie schon erwähnt, mit einiger Unlust.

Damit ist evident, es fehlt das autonome Denken und die Souveränität, um geistige Repression zu überwinden und auch wohl der Mut. Damit entfällt die Grundvoraussetzung für eine Geschichtsbetrachtung der Selbstachtung und damit einhergehend erübrigt sich die eigenständige Gestaltung von Gegenwart und Zukunft in wohlverstandenem eigenen Interesse..

Was man einst mit Kriegen zu erreichen suchte, nämlich den Nachbarn klein zu halten, das bewerkstelligten, was Deutschland betrifft, die Deutschen selbst mit einer anerzogenen Einschüchterungspropaganda, verbreitet von herangezüchteten Vasallen und Satrapen der ehemaligen Siegermächte. Klar, dass diese “Geschichte“ von den Siegern geschrieben wurde, um den Machtfaktor „Deutschland“ zu neutralisieren. Doch während das Urteil über die Deutschen bei den ehemaligen Siegermächten längst an Schärfe verloren hat – denn die sind durch Landnahme und Kontribution einstweilen gesättigt- beissen die Deutschen sich untereinander wie herrenlose Hunde im Hinterhof der Geschichte.

In den Artikeln des Westfälischen Friedensvertrages von 1648 kann man gut nachlesen, wie konkurrierende Großmächte das prosperierende Reich als Störfaktor filettierten und sich durch Landnahme gütlich taten.

Der französische Botschafter bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden,  Graf d´Avauxan, schrieb  am 14, Februar 1645 bezüglich deutscher Positionen zu den Verhandlungen an den französischen Kanzler Mazarin; „Die Deutschen sind viel inniger durchdrungen von der Liebe zum Vaterlande, wie die italienischen Fürsten. Sie empfinden es als unerträgliche Pein, dass Fremdlinge das Reich zerstückeln“. Es gibt kaum einen besseren Beleg für diese Aussage, als die folgende erschütternde Denkschrift des Kurfürsten von Brandenburg an den schwedischen König und die deutschen Reichsfürsten, den Kaiser eingeschlossen.

Erste Seite einer Denkschrift des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, genannt der Große Kurfürst,
an den schwedischen König Karl X Gustav von Schweden, 1658, Bild Preuss. Kulturbesitz

Ehrlicher Teutscher! Dein edles Vaterland war leider bei den letzten Kriegen unter dem Vorwand der Religion und Freiheit gar jämmerlich zugerichtet und an Mark und Bein dermaßen ausgesogen, dass von einem so herrlichen Körper schier nichts verblieben ist, als das blosse Skelett. Wem noch einiges deutsches Blut um sein Herz warm ist, muss darüber weinen und seufzen. Wem sein Vaterland lieb ist, muss die unglücklichen Zeiten beklagen. Wir haben unser Gut, wir haben unser Blut, wir haben unsere Ehre und Namen dahingegeben und nichts damit ausgerichtet, als dass wir uns schier als Dienstknechte fremder Nationen hervorgetan haben. Unser Ansehen haben wir fast verloren und jene die man vorher kaum kannte, haben wir damit groß gemacht. Was sind Rhein, Weser, Elbe und Oder nunmehr anderes, als fremder Nationen Gefangene. Was ist deine Freiheit und Religion mehr, als dass andere damit spielen. Insgesamt gesehen, verlor sich alles mit dem trefflichen Pommern und anderen ebenso stattlichen Ländern! Abschliessend heißt es: Gedenke ein jeder, der kein schwedisch Brot essen will, was er für die Ehre des deutschen Namens zu tun hat, um sich gegen sein eigen Blut und sein, vor allen Nationen berühmtes Vaterland, nicht zu versündigen. Gedenke, dass du ein Deutscher bist.#

Deutschland nach dem 30 Järigen Kriege
(Bild: Wikipedia)

Doch der Apell des Großen Kurfürsten verhallte.Am Hof zu Wien sprach man kaum noch Deutsch und die Fürsten des rheinischen Bundes packtelten, gemeinsam mit Frankreich, gegen den Kaiser

Bleibt nachzutragen, Frankreich hatte sich das Elsass, als eine der Signatarmächte, im Rahmen des Westfälischen Friedens von 1648 einverleibt und Schweden hatte sich Pommern genommen. Auf dem Territorium des Reiches waren als Folge der Friedensbedingungen von 1648 unzählige Kleinstaaten entstanden, die als autonome Staatsgebilde mit eigener Außenpolitik agierten. Kaiser und Reich waren damit nur noch marginal.

Napoleon wird zugeschrieben, er habe angeblich notiert,, wie sehr die Deutschen durch die aufgezwungene Vielstaaterei inzwischen verdorben seien. „Die Deutschen seien sich selbst die ärgsten Feinde,“  soll Napoleon geschrieben haben und „jede Lüge würden sie glauben, die Deutschen und sei sie noch so plump ersonnen“. Ob er das wirklich gesagt hat, sei dahingestellt. Als Real- und Machtpolitiker gab der Große Korse Deutschland und seiner Reichsidee den endgültigen Todesstoss. Er gründete den Rheinbund, löste 1806 das Reich auf und bot dem Haus Habsburg an, aus seinem Großherzogtum Österreich ein eigenes Kaiserreich zu schaffen. Damit war die Deutsche Sache für mehr, als ein halbes Jahrhundert, abgehakt. Gerademal 8 Jahre zuvor, in das Untergangsszenario hinein, klagte der Große Lyriker Friedrich Hölderlin in seinem Briefroman Hyperion: (1798)

Datei:FK Hiemer - Friedrich Hölderlin (Pastell 1792).jpg – Wikipedia
Friedrich Hölderlin * 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, Herzogtum Württemberg; † 7. Juni 1843 in Tübingen, Königreich Württember, Bild Wikipress)

So kam ich unter die Deutschen: Ich forderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. […] Es ist ein hartes Wort, und dennoch sag‘ ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrissner wäre, wie die Deutschen.

Handwerker siehst du, aber keine Menschen. Denker, aber keine Menschen. Priester, aber keine Menschen. Herrn und Knechte, Jungen und gesezte Leute, aber keine Menschen –

ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstükelt untereinander liegen, indessen das vergossne Lebensblut im Sande zerrinnt? […]

Es ist auf Erden alles unvollkommen, ist das alte Lied der Deutschen. Wenn doch einmal diesen Gottverlassnen einer sagte, daß bei ihnen nur so unvollkommen alles ist, weil sie nichts Reines unverdorben, nichts Heiliges unbetastet lassen mit den plumpen Händen,

daß bei ihnen nichts gedeiht, weil sie die Wurzel des Gedeihns, die göttliche Natur nicht achten, daß bei ihnen eigentlich das Leben schal und sorgenschwer und übervoll von kalter stummer Zwietracht ist,

weil sie den Genius verschmähn, der Kraft und Adel in ein menschlich Tun, und Heiterkeit ins Leiden und Lieb und Brüderschaft den Städten und den Häusern bringt..

Nachdenklich macht auch der Satz der französischen Schriftstellerin Germaine de Staël (22. April 1766 -14. Juli 1817)

Madame de Staël, Anne Louise Germaine de Staël-Holstein, born Anne ...
Germaine de Staël *22. April 1766 in Paris , † 14. Juli 1817 ebenda, Bild Wikipress

Wenn den Deutschen noch so großes Unrecht angetan wird, findet sich doch immer ein obskurer deutscher Professor, der so lange an der Objektivität herumbastelt, bis er bewiesen hat, dass die Deutschen Unrecht getan haben.“

Ohne hier eine historische Pointe erklären zu wollen, ist doch die deutsche Gegenwart auf die denkbar übelste Weise Beweis, für Hölderlins Klage und die Richtigkeit der Thesen wie sie Germaine de Staël einst formulierte.

Und immer wieder in der Geschichte scheiterte jeder Versuch die Verhältnisse zu ändern. Heutzutage scheitert jede Rückbesinnung auf alte deutsche Tugenden schon im Ansatz an der Kontrolle der Medien, die damals wie heute, die politischen Doktrin von alleiniger deutscher Schuld sozusagen an allem, als vorgeschaltete Tugendwächter, mit jedem verfügbaren Mittel, wie einen Gral bewachen.

Zeiten wie diese lassen die Deutschen zu ekelhaften Denunzianten werden, an sich selbst, an ihrer Kultur und ihrer Geschichte. Es ist wie bei einem regelmäßig geprügelte Hund. Der beisst auch jeden in die ausgestreckte Hand, auch in die dessen, der Gutes will. In diesem Sinne: Warten wir auf den 8. Mai. Der Tag, an dem die Deutschen sich von sich sebst befreiten. Von Ihrer Geschichte, ihrer Kultur und der Gelassenheit der eigenen Selbsvertändlichkeit.